Reitanfänger

Hier erfahren Sie, wie wir Reitschülern das Reiten schmackhaft machen.

Vor jedem „Reiten können“ ist das „Sitzen können“ zu erlernen. Also alle mal zurück auf Anfang. Kennen Sie das noch aus der Schule: der Schwebebalken? Liegt er auf dem Boden, können Sie ihn gewiss gut laufen. Aber laufen Sie ihn mal in einer Höhe von nur einem Meter, dann ist es erst mal aus mit Ihrem Gleichgewicht.

Beim Pferd sitzen sie von vornherein in rund 1,7m Höhe und Ihr „Sitz“ bewegt sich. Ihr erstes Ziel ist, sich der Bewegung des Pferdes unterzuordnen, indem Sie sich in die fremde Bewegung harmonisch einfügen durch sanftes eigenes Mitbewegen. Anfangs beginnen Sie an der Longe mit einem Pferd in der Gangart Schritt. Das Pferd wird Sie bereits nach kurzer Zeit durch seinen gleichmäßigen Schritt zu innerer Ruhe geleiten, die Grundvoraussetzung für mentale und dann auch körperliche Entspannung. Schließen Sie jetzt die Augen, lassen Arme und Beine fallen und erfühlen Sie die Harmonie Ihrer Bewegung mit der des Pferdes. Und seien Sie sicher: das geht mit 7 ebenso wie mit 70!

Wir kommen dann zum Trab. Die wirkliche Hürde ist der Moment, in welchem das Pferd die Gangart wechselt und in den Trab fällt.  Der  Link Reiten lernen beschreibt perfekt, was vom Reiter jetzt gefordert wird. Auch ein ganz einfaches Experiment macht deutlich, was dem Reiter hier zu schaffen macht: die Beschleunigung. Nehmen Sie ein weiches Stück Gummiband, befestigen Sie es am Griff einer Schublade und ziehen Sie jetzt mal daran. Ihre Hand sei das Pferd, die Schublade sei der Reiter. Na? Und wie sieht das dann in die Wirklichkeit übertragen aus? Der Reiter versucht, dem Kippen nach hinten (=das Zuggummi spannt sich)  durch Vorfallen (= die Schublade springt hervor)zu entgehen.
Diese Hürde überwindet der Reitschüler an der Longe auf dem trabenden Pferd. Es wird Zeit und Geduld brauchen, aber es ist doch recht einfach zu erreichen. Denn auch hier steht der Reitschüler nur sich selbst im Weg, wenn er fürchtet, beim Antraben auf den Pferderücken zu fallen. Ist diese Angst überwunden, und löst sich der Reiter aus der körperlichen Verspannung, die er aus Furcht vor der fremden Bewegung aufgebaut hat, wird er auch im Trab in den gleichmäßig fließenden  Bewegungsablauf des Pferdes mitgenommen.

Und schließlich der Galopp. Viele Reitschüler fürchten sich vor dieser Gangart am meisten, „Ist so schnell“. „Ich fall´ runter!“ Woher kommen solcherlei Vorurteile? Ja, sieht man ein schnelles Pferd, ist es im Galopp. Und wenn einer runterfällt, bemerkt man das meist erst an dem reiterlos fliehenden Pferd. Dabei ist der Galopp die am leichtesten zu sitzende Gangart des Pferdes. Wenn doch nicht auch hier dem Reitschüler nur die eigene Furcht im Wege stünde.

Und wenn der Reitschüler sich nach all dem Gesehenen und in allen 3 Grundgangarten Gelernten nun  dem Status eines Reiters nähert, dann kann er hier mal nachlesen, warum die Gangart „Schritt“ die schwierigste und am anspruchvollsten zu reitende Gangart des Pferdes ist. Ich wollte es am Anfang ja nicht gleich betonen, sonst wäre er vielleicht gleich wieder umgedreht und hätte gedacht, „das lerne ich nie“. Aber wenn er es bis hier geschafft hat, dann ist er eben doch schon ein Reiter.

Weiterführende Literatur:
Reiten mit Verstand und Gefühl, Michael Putz, FN-Verlag

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